Paraty

Paraty (auch Parati) ist eine Stadt in Brasilien  im Bundesstaat Rio de Janeiro  und hat heute etwa 30.000 Einwohner. Sie liegt zwischen Rio de Janeiro und São Paulo, etwa 2 km abseits der Bundessraße 101 von Ubatuba nach Rio. Im Jahre 1958 wurde die historische Altstadt unter Denkmalschutz gestellt. DieParaty Innenstadt ist weitgehend für den Verkehr gesperrt. Die Stadt besticht durch ihre fast vollständig erhaltene historische Architektur aus dem 17. Jahrhundert. Die Häuser sind alle weiß gestrichen mit bunten Fenster- und Türumrandungen.

Die Straßen haben ein sehr unebenes Kopfsteinpflaster, das von Sklaven verlegt wurde. Bei Hochwasser reinigt die Flut einige Gassen. Eines der weißgekalkten Landhäuser, die Villa Boa Vista, (siehe auch Artikel über Cachaça Coqueiro) ist das Geburtshaus der Mutter von Thomas Mann, Julia Mann, die hier die ersten sieben Jahre ihres Lebens verbrachte.

Das Gründungsdatum Paratys ist nicht bekannt. Einige Historiker gehen davon aus, dass bereits zwischen 1540 und 1560 ein Dorf auf dem Berg Vila Velha (Altes Dorf), heute Morro do Forte am Fluss Pereque- Acu existiert habe. Es ist bekannt dass zwischen 1574 und 1578, anlässlich der Schaffung des Generalgouvernements Rio de Janeiro, die Verbindung zwischen Rio und der Kapitanie Sao Vicente intensiviert wurde, und Teile der Bevölkerung aus dieser Kapitanie sich an der zwischen beiden Städten liegenden Küste ansiedelten. Die Guaianás waren zu dieser Zeit bereits Verbündete der Kolonisten und unterstützten diese bei der Jagd und Versklavung anderer Indianerstämme um diese beim Zuckerrohranbau einzusetzen. Die erste urkundliche Erwähnung des Hafens Paraty erfolgte durch den Engländer Anthony Knivet, ein Mitglied der Expedition von Martim Correa de Sá, in 1597.

Jedenfalls existierte das Dorf Paraty bereits anfangs des 17. Jahrhunderts; 1646 erfolgte die Verlegung auf den heutigen Standort zwischen den Flüssen Pereque- Acu und Patitiba. Das Gebiet wurde durch die Dame Maria Jácome de Mello mit der Auflage geschenkt, dort eine Kapelle zu Ehren der Nossa Senhora dos Remédios zu errichten. In 1667 wurde die Ortschaft durch Begehren der Bevölkerung als selbständige Gemeinde „Villa Nossa Senhora dos Remédios de Paratii“ von der Stadt Angra dos Reis getrennt. Trotz der erlangten Selbstverwaltung handelte es sich zu diesem Zeitpunkt noch um eine kleine Gemeinde mit ca. 50 bescheidenen Häusern, gebaut aus Lehm mit Strohdächern.

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts werden Gold und Edelsteine in Minas Gerais entdeckt. Wieder werden die von den Indianern angelegten Verbindungswege genutzt, um die Serra da Mantiqueira zu überwinden und in das Landesinnere Brasiliens vorzustoßen. Es dauerte nicht lange, und der alte Weg der Guaianás mit dem Hafen Paraty war in den Goldweg „Caminho do Ouro“ integriert. Nachdem die portugiesische Verwaltung die Entstehung anderer Wege unterband, um sicherzustellen, dass die geförderten Güter unter Kontrolle transportiert wurden, wurde Paraty zum Umschlagplatz in beide Wegesrichtungen – zum Gütertransport nach den Minen und zum Rücktransport des Goldes und zur Verladung auf die Schiffe. Ein Fort auf dem alten Berg sicherte die Stadt vor Angriffen.

Solange diese strategische Lage erhalten werden konnte, nahm Paraty aktiv an der wirtschaftlichen Entwicklung des seinerzeitigen Brasiliens teil. Der Goldzyklus trug erheblich zur Einwanderung portugiesischer Siedler bei, und ein beträchtlicher Anteil derselben ist über Paraty nach Brasilien gekommen. Die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts wird somit zur Blütezeit des Städtchens Paraty. Wichtige Bauten fallen in diese Zeit, wie der Bau des Hafenkais, die Kirchen Santa Rita, Nossa Senhora do Rosário, Sao Benedito und Nossa Senhora da Conceicao.

Auch der Sklavenhandel trug zum Reichtum der Stadt bei. Neben den hier ankommenden Siedlern wurden auch Sklaven ausgeladen und in das Landesinnere geschafft.

Mit der Erweiterung der Bevölkerung in den Minengebieten wurde die ausreichende Versorgung mit preiswerten Lebensmitteln zu einem Problem. Die Bevölkerung Paratys begann daraufhin mit der Herstellung von Lebensmitteln für die Minen wie auch für die Stadt Rio de Janeiro. Diese Wirtschaftsgrundlage half der Stadt nachdem 1728 der direkte Weg von Minas Gerais nach Rio de Janeiro, der „Caminho Novo“ (Neuer Weg) gebaut wurde, und Paraty vom Goldtransport ausschloss.

Desgleichen war der Zuckeranbau eine wesentliche Stütze der Wirtschaft. Zucker war seinerzeit auf dem Weltmarkt wesentlich teurer als heute, und so wurden gegen Ende des 18. Jahrhunderts erhebliche Summen in Anbau und Verarbeitung von Zuckerrohr investiert. Während des Höhepunkts der Zuckerproduktion wurden in Paraty über 250 Mühlen (Engenhos) und Destillen gezählt; die hier produzierte „Aguardente“ (Schnaps) war als eine der besten Brasiliens bekannt und wurde zeitweise auch exportiert. „Paraty“ wurde zum Synonym für „Cachaca“.

In den 1950er Jahren wurde der Bau einer befestigten Straße von Rio nach Santos in Angriff genommen. Damit konnte die Region erschlossen werden und das bislang unberührte Paraty konnte sich zu einer Pilgerstätte für Touristen entwickeln.

Die Umgebung ist noch heute teilweise von jungfräulichem Charakter und ist vom Atlantischen Regenwald geprägt. Es gibt mehrere Nationalparks in der Umgebung, die heute zu einer Touristenattraktion geworden sind. Außerdem bieten Fischer Bootstouren aus der Stadtmitte an, die in 1-2 Stunden auf die umliegenden Inseln führen. Hier sind das Baden und Tauchen in kristallklarem Wasser angesagt. Eine weitere Naturattraktion der Umgebung sind diverse Wasserfälle an der Straße nach Cunha..

Ein großer Teil der Gemeinde Paraty ist Naturschutzgebiet, wovon zwei Drittel zum Nationalpark Serra da Bocaina gehören. Paraty ist ein touristisch sehr wichtiger Ort wegen seiner unverdorbenen Kolonialarchitektur, Ausflugsmöglichkeiten in den Urwald der Mata Atlântica und der umliegenden Strände, die bedeutsamsten sind Paraty-Mirim und Trindade, welches nur über eine steile Straße durch den tropischen Regenwald zu erreichen ist. Die Grenze zum Bundesstaat São Paulo ist von hier nicht weit entfernt.

Paraty liegt in der Bucht die von Angra dos Reis bis nach Paraty bzw. Trindade reicht. In dieser Bucht liegen ca. 60 Inseln, einige davon im Privatbesitz sowie ca. 300 Strände, viele davon nur über das Wasser erreichbar.

Es gibt in der Altstadt hervorragende Restaurants mit internationaler und brasilianischer Küche.

Während des Jahres finden viele Festivale statt, wie z.B. die FLIP und Festa da Pinha (Cachça-Fest)

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